Reihenhaus ist keine Lösung

Die UWG-Ratsfraktion warnt vor dem Ankauf britischer Reihenhäuser in der Thomas-Mann- und Gerhard-Hauptmann-Straße. Die Stadt riskiere damit ein hohes Defizit ohne jenen Menschen zu helfen, die bezahlbaren Wohnraum suchen. Gut 50 Immobilien werden in diesen beiden Straßen der Stadt derzeit von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) angeboten. Sie sind Teil von insgesamt 49 freistehenden Einfamilienhäusern und 243 Doppel- und Reihenhäusern in Gütersloh, die der Bund von der Britischen Armee übernommen hat und die derzeit von der Bima verwaltet werden. Diesen 292 Wohneinheiten stehen nach UWG Erkenntnissen rund 660 Haushalte gegenüber, die Anspruch auf geförderten Wohnraum hätten, darunter Singles, Senioren und Familien. Am Beispiel der Siedlung Thomas-Mann-Straße zeigt Bohlmann auf, dass die Häuser entweder von der Größe her nicht passen oder für die Stadt nicht bezahlbar seien.


Einschließlich Grunderwerb, sämtlicher Nebenkosten und notwendiger Sanierungen der aus den fünfziger Jahren stammenden Gebäude würden die Erwerbskosten für die Stadt bei mehr als 3000 Euro je Quadratmeter Wohnfläche liegen. Davon werde die Bima nach einem Urteil des Verwaltungsgerichtes Minden auch nicht abrücken. Bohlmann: »Das Gericht hat Sonderkonditionen für Kommunen abgelehnt. Wohnen ist Wohnen, egal ob es sich um britische Soldatenfamilien handelt oder um Gütersloher Bürger.« Von der Zielgruppe, der mit dem Erwerb dieser Häuser geholfen werden soll, sei ein Mietzins von weniger als sechs Euro je Quadratmeter zu erwarten. Die Gebäude aus den fünfziger Jahren würden keine Wärmedämmung besitzen und üblicherweise nicht saniert, sondern abgerissen und durch Neubauten ersetzt. Norbert Bohlmann: »Gebrauchte Eigentumswohnungen ohne Sanierungsstau werden in Gütersloh für 1800 bis 2000 Euro je Quadratmeter gehandelt.« Für Neubauwohnungen in der Innenstadt, barrierefrei mit Niedrigenergiestandard, liege das Preislimit bei 3000 Euro je Quadratmeter. Die Sparkasse biete aktuell neue Doppelhaushälften für 319 800 Euro bei 131 Quadratmeter Wohn- und 181 Quadratmeter Grundstücksanteil an. Quadratmeterpreis: 2441,22 Euro.

Bohlmann: »Der Kauf der Häuser an der Thomas-Mann-Straße, den letztendlich die Gütersloher Bürger bezahlen, ist wirtschaftlich nicht zu vertreten.« Kaufbefürwortern hält er entgegen, dass konkrete Anträge der UWG zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum auf städtischen und privaten Grundstücken durch private Investoren abgelehnt worden seien – zuletzt auf dem Wellerdiek-Areal. Bohlmann: »Die Stadt muss keine Immobilien kaufen, um den Menschen zu helfen.«

Quelle: Westfalen-Blatt 09.12.2017

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