,

Mit Gesicht und Zuversicht

Sie durften mitdiskutieren und mitstreiten. Aber wenn abgestimmt wurde, mussten die Arme der UWG-Mitglieder unten bleiben. Mit nur 3,6 Prozent Stimmenanteil bei der vorigen Kommunalwahl zogen die Unabhängigen, die als einzige der kleineren Gruppierungen nicht zulegen konnten, mit gerade zwei Vertretern in den Rat ein. Zu wenig, um auch in den Fachausschüssen Stimmrecht zu erhalten. In der nächsten Wahlperiode soll sich das ändern. „Wir wollen wieder mitstimmen und damit mitbestimmen“, sagen Spitzenkandidat Peter Kalley und die Nr. 2 auf der Reserveliste Norbert Bohlmann. „Und wir möchten damit unsere Meinung laut und vernehmlich sagen können“. Ohne dass sie lediglich als Randnotiz in den Protokollen auftaucht.


Dazu braucht die UWG mindestens vier Ratsmandate. „Ein realistisches Ziel“, wie Bohlmann meint. Denn dass die Wählergemeinschaft vor fünf Jahren eher enttäuschend abgeschnitten hat, sei vor allem darauf zurückzuführen gewesen, dass die UWG im Gegensatz zur Konkurrenz keinen eigenen Bürgermeisterkandidaten aufgestellt hat. Das ist diesmal anders.

„Die UWG braucht ein Gesicht“, sei die einhellige Meinung der Mitglieder gewesen. Und weil er das bekannteste in ihren Reihen ist, hat sich Peter Kalley dafür zur Verfügung gestellt. Zudem sei der 59-Jährige aufgrund seiner Verwaltungs- und Politik-Erfahrung „der einzige“ von allen Kandidaten, „der den Job auch kann“, lautet Bohlmanns Überzeugung.

Zu seinen Chancen, tatsächlich den Chefsessel im Rathaus zu übernehmen, mag sich der Bewerber nicht detailliert äußern. Aber sicher sei für ihn, dass die UWG insgesamt von der Kandidatur profitieren werde.

An erster Stelle ihrer Wahlziele haben die Unabhängigen eine klare Forderung aufgestellt: Die gute Lebensqualität in Gütersloh trotz Haushaltskrise sichern. „Das wird nicht ohne Beteiligung der Bürger gehen“, so Kalley. Was das konkret bedeuten könne? „Zum Beispiel, dass persönliche Beratungen im Rathaus nicht mehr kostenfrei sind.“ Zudem befürwortet die UWG den „Verkauf überflüssiger Vermögenswerte“. Dazu zählen nach Meinung von Kalley und Bohlmann die zahlreichen städtische Grundstücke, eventuell auch die Parkhäuser. Während das städtische Umwelt- und auch das Hochbauamt für entbehrlich gehalten werden, könne in anderen Abteilungen auf lange Sicht eine Personalaufstockung durchaus sinnvoll sein. Zum Beispiel in der Jugendhilfe, die riesige Summen für Heimunterbringungen aufwenden müsse. Das könne auf Dauer nicht so weitergehen. Betreuungsfamilien zu finden, sei erheblich günstiger.

Außerdem müssten auch hier Teile der Verantwortung wieder zurück an die Bürger gegeben werden. „Es geht doch nicht, dass Kinder dem Dezernenten vor den Schreibtisch gestellt werden, und der kann dann sehen, wie er damit umgeht.“ Außerdem hat sich die UWG vorgenommen, die „Marke Gütersloh“ zu stärken. „Wir sollten mehr die vielen positiven Dinge sehen, als ständig herumzunörgeln“, sagt Kalley.

An dritter Stelle der Wahlziele rangiert die Kooperation der Gütersloher Kliniken unter Einbeziehung der niedergelassenen Ärzte. Eine wohnortnahe Versorgung sei immer wichtiger, weil die Menschen immer älter würden und der Behandlungsaufwand zunehme. Kritik äußerte die UWG an der schwarz-grünen Mehrheit vor allem beim Thema Stadtwerke. Die Plattform habe es in den vergangenen fünf Jahren versäumt, die Eigenerzeugung von Energie voranzubringen. Überhaupt halten Kalley und Bohlmann nichts von festen Konstellationen im Rat. Wechselnde Mehrheiten seien in der Sache oft klar besser. Und die UWG erhofft sich, künftig daran beteiligt zu sein.

Copyright © Neue Westfälische 2009 vom 25.07.2009