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Pavillon Berliner Platz

Der Plan, im Zentrum des Berliner Platzes einen Glaspavillon zu errichten, beunruhigt mich. Eine Stadt lebt mit ihren Plätzen, jede Stadt sollte versuchen, diese so attraktiv wie möglich zu gestalten. Alle mir bekannten gemütlichen Städte haben Plätze in deren Mitte ein Reiterstandbild oder ein Brunnen steht, möglichst mit hübscher Bepflanzung. Diese Anordnung ist sicherlich nicht besonders originell, wahrscheinlich auch nicht praktisch und modern schon mal gar nicht, ist aber seit 3000 Jahren im abendländischen Kulturkreis Standard. Die Gestaltung öffentlicher Plätze ist den Stadtplanern des Barock nach meinem Dafürhalten besonders gut gelungen, solche Plätze werden von den Bewohnern fraglos gut angenommen und als besonders gemütlich empfunden.


Der Mensch möchte nun einmal nicht im Mittelpunkt eines Platzes sitzen, und dann noch in einem Glaspavillon, sondern lieber am Rand, dahin gehört auch die Außengastronomie. Wenn man sich in Köln, eine Stadt mit vielen wunderschönen Plätzen, am vor einiger Zeit neu gestalten Rheinufer umschaut, findet man über dem neuen Rheinufertunnel Gastronomieflächen abseits der Häuser aber noch nicht direkt am Rhein gelegenen. Zuerst besetzt sind dort immer die Plätze an der Wand, das ist überall auf der Welt so, das möchten wir Menschen so haben, wenn wir wählen können. Eine Ausnahme bilden Plätze an Wasserflächen die uns Menschen immer anziehen – wahrscheinlich evolutionsbedingt. Gütersloh beging etliche nicht wiedergutzumachende Planungssünden, das muss man doch nicht immer so weitergehen.

Pavillon Köln Wilhelmplatz

Vor etwa 40 Jahren wurde in Köln-Nippes, ein sicher nicht allzu attraktiver Vorort, auf dem sehr geräumigen Wilhelmplatzplatz etwa in 2/3 Bereich des Platzes ein Cafe/Eiscafe gebaut. Trotz ambitionierter Architektur wurde es von der Kundschaft nie angenommenen, nachdem ein letzter Versuch der Stadtverwaltung das Objekt zu beleben mit bunter Bemalung und intensiven Suche nach einem Betreiber nicht erfolgreich war, beschloss man den Abriss. Der Architekt setzte per Gerichtsbeschluss durch, dass der Bau stehen bleiben muss. Er wurde mit dem Rankgewächs „Je Länger Je Lieber“ umpflanzt. Über die Jahre hinweg bestand seine einzige Funktion darin, dass Prinz Karneval von der erhöhten Plattform aus seiner Untertanen begrüßte.

Robert Friedrich