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Ausbau der Firma Claas Guss

Zu der Eingabe mehrerer Anwohner der Straße Wellenkamp, im Hauptausschuss am 08.07.2013, gegen den Ausbau der Firma Claas Guss in Gütersloh Blankenhagen, nimmt die UWG Ratsfraktion wie folgt Stellung:

Grundsätzlich sind die aufgezählten umweltbelastenden, gesundheitlich beeinträchtigenden und allgemein störenden Faktoren für die betroffenen Anwohner der Gießerei Claas sehr gut nachzuvollziehen und als äußerst bedauerlich zu werten.

Man wird aber leider keine Abhilfe schaffen können, sondern wohl nur Schadensbegrenzung durch strikte Einhaltung der rechtlichen Normen für Umwelt- und Lärmschutz von Seiten des Unternehmens.

Sollte es baurechtliche Verstöße im Rahmen von Werkserweiterungen gegeben haben, so wäre dies durch die Stadtverwaltung zu prüfen. Der Einwand gegen die Erweiterung der Schichtarbeit bei der Gießerei Claas ist, realistisch betrachtet, gegenstandslos, weil eine solche Maßnahme unter Beachtung bestimmter Auflagen weder gegen grundrechtliche noch gegen gesellschaftlich relevante Faktoren verstößt.

Auch wird es schwierig sein, hier an die Moral der Unternehmensverantwortlichen zu appellieren. Gegen was hat man verstoßen oder verstößt man? Das man sich als Unternehmen am Markt behaupten muss, um Arbeitsplätze zu sichern, ist schnell erklärt und für jeden leicht zu verstehen. Nur Unternehmen, die profitabel wirtschaften und Wachstum finanzieren können, überleben auf Dauer.

Das Debakel hat seine Ursache darin, dass man von Seiten der Stadt Gütersloh nicht zu einem frühen Zeitpunkt, etwa als über Werkserweiterungen zu entscheiden war, für die notwendige Abgrenzung zwischen Wohn- und Gewerbegebiet eine Lösung geschaffen hat. Vielleicht hat man es sogar versäumt, über eine zukunftsweisende Betriebsverlagerung mit der Unternehmensseite zu sprechen. Man darf nicht vergessen, dass es sich bei einer Gießerei noch um Schwerindustrie nach altem Muster handelt, auch wenn in den letzten Jahren technologisch vieles in dieser Sparte modernisiert worden ist.

Die Maßnahme des Unternehmens den Schichtbetrieb zu erweitern ist verständlich. Da man für das Mutterunternehmen Claas produziert, also eine stabile Grundauslastung hat, bietet es sich an, Drittaufträge im Markt aufzusaugen. Man weitet die Kapazitäten flexibel über eine dritte Schicht aus. Mit der Mengenausweitung reduziert man die Stückkosten, weil die fixen Kosten (z.B. Anlagenabschreibungen) sich auf einen größeren Mengenausstoß verteilen (Degressionseffekt). Man kann nun am Markt für diese „Grenzaufträge“ eine fast konkurrenzlose Preispolitik machen, weil man nur mit den variablen Kosten der dritten Schicht kalkulieren muss. Man pickt sich sozusagen die Rosinenaufträge mit den höchsten Deckungsbeiträgen im Markt heraus und erzielt deutliche Gewinnsteigerungen für das Unternehmen. Sollte die Nachfrage zurückgehen, so fährt man die Produktion wieder auf einen Zwei-Schichtbetrieb zurück.

Der Geschäftsführer von Claas Guss hat die Aufgabe, den Wettbewerbsvorteil des Unternehmens zu sichern und auszubauen, den Unternehmenswert zu steigern, vielleicht noch die Arbeitsplätze zu sichern und einen ausreichenden Gewinn für Unternehmenswachstum und Ausschüttung an die Gesellschafter zu erwirtschaften. Dabei hat er die gesetzlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu beachten. Der Geschäftsführer oder Werksleiter kann nur in diesem Rahmen den Standpunkt des Unternehmens vertreten.

Ansprechpartner für ein solches gesellschaftlich relevantes Problem sind die Gesellschafter des Unternehmens, die Familie Claas. Sie müssten mit diesem Problem konfrontiert werden, weil Sie über den Gesellschafterbeirat und Aufsichtsrat den Einfluss auf die Leitlinien des Unternehmens nehmen und damit auch zum Verhalten des Unternehmens gegenüber der Gesellschaft eine Verantwortung haben. Hier müsste man hinterfragen, ob es nicht zukunftweisender wäre, ein solches Unternehmen wie Claas Guss, in einem Gewerbegebiet mit produzierendem Gewerbe anzusiedeln. Die Frage ist aber auch, wie die Stadt Gütersloh langfristig solche Problemfälle überhaupt angehen will. Weitere Beispiele sind die Drahtwerke Wolf an der Carl-Bertelsmann Straße und an der Sundernstraße mit dem Schrottplatz Lienke am Mühlenweg. Das sind historisch entstandene Produktions-Inseln der Schwerindustrie mit hoher Emissionsbelastung (Luft, Geruch, Lärm und Verkehr), mit dicht angrenzenden Wohngebieten, deren Bewohner nur darauf warten, wann packt mal einer dieses Thema im Sinne städtebaulicher Strukturreform gemeinsam mit den betroffenen Unternehmen an. Man hat natürlich diese alt ansässigen Betriebe mit der Wohnbebauung förmlich eingekesselt, ohne die Frage der langfristigen Verträglichkeit einer solchen Nähe von Gewerbe und Wohnen zu klären und zu lösen.

Die Frage an Frau Bürgermeisterin Unger ist also, wie viel solcher gelagerter Problemfälle gibt es in Gütersloh und wie will die Stadtverwaltung damit zukünftig umgehen?

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