Der Irrweg in Sachen Städtisches Klinikum

Leserbrief von Walter Otte zum Städtischen Klinikum Gütersloh: Für eine Investitionsoffensive von 83 Millionen Euro mal ebenso finanzielle und kooperative Unterstützung aus dem näheren Umfeld einzufordern, um zu glauben, so das dauerhafte Kernproblem der strukturellen Instabilität und wirtschaftlichen Anspannung des Städtischen Klinikums lösen zu können, ist mehr als blauäugig.

Über Jahre hat sich zwischen dem Städtischen Klinikum und dem Sankt Elisabeth Hospital ein völlig unsinniger aber von allen Beteiligten hingenommener Verdrängungswettbewerb entwickelt. Der Begriff „Verdrängen“ steht hier im wahrsten Sinne des Wortes. Beide Krankenhäuser haben parallel und oft zeitgleich in Belegstationen und in konkurrierende medizinische Fachbereiche investiert. So wurden vor allem im Städtischen Klinikum Überkapazitäten aufgebaut. Die daraus resultierenden Unterauslastungen in einzelnen Klinikbereichen führten stets zu einem hohen Kostendruck und veranlassten immer wieder zu Ad-hoc-Maßnahmen in wirtschaftlichen Notsituationen, die insbesondere das Klinikpersonal zu spüren bekommen hat.

Das Elend dieses Wettbewerbs soll nun durch die Investitionsoffensive des Städtischen Klinikums in einem unverantwortlichen Ausmaß fortgesetzt werden. Denn der Verdrängungswettbewerb bleibt. Lose Kooperationen sind nur Absichtserklärungen. Das Problem ist nicht gelöst.

Das Land NRW wird sich an diesem Spektakel finanziell sicherlich nicht in größerem Ausmaß beteiligen. Längst hat man das Städtische Klinikum Bielefeld als medizinisches Oberzentrum für Ostwestfalen wohlwollend im Blick.

Schlussendlich kann die Lösung nur -und zwar ausschließlich- in einem gesellschaftsrechtlichen Zusammenschluss der beiden Krankenhäuser Städtisches Klinikum und Sankt Elisabeth Hospital unter einheitlicher Leitung, gefunden werden. Nur so lassen sich die Kliniken spezialisiert ausrichten und überschneidungsfrei in optimale Betriebsgrößen für die kommunale Gesundheitsversorgung vor Ort aufteilen. Weniger Wettbewerb – mehr Qualität bei wirtschaftlich nachhaltiger Stabilität.

Wenn, wie die Stadtpolitiker betonen, es vorrangig darum geht ein funktionstüchtiges, zukunftsfähiges Klinikum aufzustellen, in dem die Arbeitsplätze sicher sind und eine hochwertige medizinische Versorgung der Bürger im Vordergrund stehen, dann darf es am Ende keine Rolle spielen, wenn die Stadt an einer fusionierten Klinik-Einheit nur noch der Minderheitsgesellschafter ist. Zugespitzt könnte es in näherer Zukunft auch zwei Gütersloher Verlierer geben.

Der Städtische Kernhaushalt gerät nun zunehmend auch von außen über seine Beteiligungen unter Druck. Das Klinikum hat den Anfang gemacht.

0 Kommentare

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar