Verkaufsoffener Sonntag – eine (schein-?)heilige Debatte

Allen voran die Kirchen, die mit Ihrer Sonntagstätigkeit der Forderung nach dem Verzicht auf verkaufsoffenen Sonntagen widersprechen. Die kommerziellen Abteilungen wie Verwaltungen, richten sich allerdings streng nach den „Regelarbeitszeiten“, die für Ihre berufstätigen Kunden oft nicht optimal sind. Vor Jahrzehnten führte die katholische Kirche die Vorabendmessen ein, damit Ihre Mitglieder an Sonntagen Zeit für andere Beschäftigungen als Muße finden hatten.

Folgen die Politiker, die urbane Innenstädte mit einer großen Vielfalt fordern und die Schließungen kleiner Läden (Familienbetriebe, die mit sonntags Tätigkeiten oft kein Problem hatten) bejammern. Loben aber jede kommerzielle sonntägliche Veranstaltung (Mittelalterfest, Kirmes, etc.), die auch der Attraktivität der Stadt Gütersloh dienen. Warum sorgen die Politiker nicht dafür, dass außerhalb der Ladenöffnungszeiten auch kein Internethandel stattfindet?

Schlussendlich die Gewerkschaften, die nun wegen des Familienfriedens den Verzicht auf verkaufsoffene Sonntage fordern. Wo bleiben die Gewerkschaften, wenn es um die Öffnungszeiten der Lebensmittelmärkte von über 15 Stunden am Tag geht? Sind die Gewerkschaftler nach ihrer Regelarbeitszeit so geschafft, dass sie erst einige Stunden ruhen müssen, um dann nach 20:00 Uhr ihre Besorgungen zu erledigen?

Nicht zu vergessen die Umweltschützer. Wo bleibt deren Aufschrei gegen die sinnlose Energievergeudung in den Lebensmittelmärkten bis tief in die Nacht? Heizung, Kühlung, Lüftung, Beleuchtung und die zusätzlichen Fahrten der Mitarbeiter im Schichtbetrieb. Dass nach 19:00 Uhr in Lebensmittelhandel kaum noch Nahrungs- sondern fast ausschließlich Genussmittel, wie Alkohol, Tabakwaren, Süßigkeiten und Fastfood gekauft wird sei nur am Rande erwähnt.

Wo sind die Sozialverbände, die verhindern, dass sich Geringverdiener am Sonntag ein (doppeltes) Zubrot verdienen? Die Beschäftigten auf den Mittelalter- und Oktoberfesten (in OWL!!), Kirmessen Freizeitparks und Gastronomie und auch den kulturellen Einrichtungen arbeiten an Sonn- und Feiertage ohne Lohnaufschläge. Wie organisieren diese Mitbürger Ihr Familienleben, wie können sie am kulturellen Leben, dass an den Kernarbeitszeiten der Verwaltungen ausgerichtet ist, teilnehmen?

Die UWG Gütersloh ist für liberale Vielfalt. Dazu gehört keine laute Debatte über einen verkaufsoffenen Sonntag. Unsere Stadt hat andere Probleme als einigen Bürgern eine Zuverdienstmöglichkeit zu streichen und anderen Bürgern ein Einkaufserlebnis zu verhindern. Die Aktivitäten in der Stadt müssen maßvoll stattfinden. Die notwendigen Regelungen sind mit Augenmaß und ohne Bevorzugung einiger Akteure bzw. Interessengruppen zu treffen.

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